Das Pilot-Projekt „Soul Boy“
Im September 2008 trafen Marie Steinmann und Tom Tykwer mit Ginger und Guy Wilson (von der in Nairobi ansässigen Filmproduktionsfirma Ginger Ink) zusammen, um ein Projekt aus der Taufe zu heben, das die Arbeit von One Fine Day e.V. und der britischen Partner-NGO Anno’s Africa auf den Bereich der Filmkunst ausweiten sollte.
Das Konzept für das Pilotprojekt sah vor, mit möglichst überschaubarem Budget einen Film-Workshop in Nairobi zu entwickeln. Unter der Leitung von Tom Tykwer konnte ein kleines Team professioneller Crewmitglieder mit einem sehr viel größeren Stab an jungen Auszubildenden einen mittellangen Spielfilm in Kibera, Nairobis größtem Slum realisieren. Erstes Ziel war, neugierige und lernhungrige Ansässige aus Nairobi und natürlich vor allem Bewohner des Slums in die praktische Arbeit an einem ambitionierten Spielfilm zu integrieren, um so fachliche Kenntnisse zu vermitteln, Berufsperspektiven zu schaffen und natürlich inspirierende Spuren zu hinterlassen.
Schnell entwickelte das Projekt eine erstaunliche Eigendynamik. Der kenianische Autor Billy Kahora entwarf mit Tykwer das Konzept für einen Film, der die Geheimnisse und Mythen dieses vielschichtigen sozialen Mikrokosmos in eine moderne und zugleich märchenhaft anmutende Geschichte übersetzt. Titel: SOUL BOY.
Die junge ghanaisch-kenianische Regisseurin Hawa Essuman übernahm die Regie.
Die Drehbucharbeit beanspruchte nach kurzer, intensiver Recherche in Kibera etwa sechs Wochen. Das Casting für den Film dehnte sich auf die ganze Stadt aus; in mehreren Slums wurde - mit Unterstützung von Anno’s Africa - gleichzeitig an Schulen und in den Gassen vor Ort nach jungen Schauspielern gesucht. Eine Woche Vorbereitungszeit mussten dann reichen, um die 13 Drehtage einigermaßen solide vorzubereiten, bis SOUL BOY dann schließlich vom 17. November – 1. Dezember 2008 gedreht wurde.